30. Nov, 2017

Begegnung mit dem Lord Of The Lake

Anfang der 80er Jahre lebte ich in New Hampshire, Neu England in den USA in einer kleinen spirituellen, semimonastischen Gemeinschaft, eingebettet in eine malerische Landschaft mit Wiesen und Wäldern. Unweit des Gemeinschaftshauses, man hatte vielleicht 10 Minuten zu gehen, lag ein entzückender kleiner See, umrahmt von Mischwald, Büschen und Sauergraswiesen. An einer Stelle, nicht weit vom Gehweg entfernt konnte man bequem an das Ufer gelangen. Es war ein magisches Plätzchen, das sich anbot zu verweilen, zu rasten, zu meditieren und den eigenen Gedanken nachzuhängen. Selten kam dort ein Mensch vorbei; man war herrlich ungestört.


Zu jener Zeit war ich schon bekannt geworden mit den Lehren von St. Germain und anderen aufgestiegenen Meistern durch die Channelarbeit von Elisabeth Claire Prophet in der „Summit University“. Ich erlernte sehr schnell die Kunst der dynamischen Invokation (dynamic decree) und ich war von der Idee begeistert, dass man auch für die Naturwesen segensreich wirken könne, wenn man den befreienden Violetten Strahl anruft und natürlich den Rosa Strahl um liebende Hilfe bittet, um den Naturwesen Gutes zu tun. Besonders die Elementargeister des Wassers haben ja seit der rücksichtslosen Ausbeutung beginnend mit dem Industriezeitalter nichts mehr zu lachen.


Eines Nachmittags im Spätsommer spazierte ich, begleitet von einer Mitbewohnerin und Seelenfreundin zum „Hundred Acres Pond“, wie der See dort genannt wurde und wir ließen uns am Ufer nieder.
Es war einer jener friedlichen Momente, wo man das Gefühl hatte die Zeit sei stehengeblieben. Die milde goldene Nachmittagssonne, der spiegelglatt schillernde See, das satte Grün der Bäume und Wiesen rundherum führten uns in eine weite innere Stille und dankbare Verzückung. Meine Seele wurde so weit, dass ich den ganzen See umschloss, begleitet von einem Glücksgefühl der Verbundenheit, das nicht zu beschreiben ist. Aus der zutiefst empfundenen Dankbarkeit für diesen Ewigkeitsaugenblick formte sich in mir der unwiderstehliche Impuls etwas zurückschenken zu wollen.


Ich stand also auf, breitete meine Arme aus und begann mit einer Invokation der Violetten Flamme und des Rosa Strahls, rief Meister St. Germain und Meister Kuthumi, Erzengel Zadkiel und Chamuel um den See und die ganze Landschaft zu befreien, zu reinigen und zu segnen. Ich bat Erzengel Raphael um Heilung und ich bat die Natur um Vergebung im Namen der Menschen, während gleichzeitig eine liebende unumstößliche Autorität aus mir und aus meinen Worten strömte.


Ein paar Atemzüge später, ich setzte mich, um die innere Glut der vollbrachten Tat etwas abklingen zu lassen, stieg in der Mitte des Sees eine feine Nebelwolke auf, verdichtete sich sodann und zog noch mehr Nebel aus der Wasseroberfläche, türmte sich auf, bis eine säulenartige Nebelgestalt übermenschlicher Größe zu sehen war.
Meine Begleiterin stupste mich und flüsterte mit leicht ängstlichem Unterton: „Siehst du das?“ Ich bejahte und fügte hinzu: „Du musst dich nicht fürchten, das ist der Herrscher dieses Sees, der sich zeigen will um sich zu bedanken.“ Das wusste ich einfach, das war sonnenklar und alles andere als beängstigend für mich.


Zu Füßen dieser Nebelgestalt stieg weiterer Nebel auf, blieb aber flach am Wasser, als wäre es der Saum eines viel zu langen Mantels. Dann bemerkten wir, dass sich diese Gestalt langsam aber stetig auf uns zu bewegte. Als der „Mantelsaum“ nur noch zwei bis drei Meter von uns entfernt war, drängte mich meine Freundin mit merklicher Angst in der Stimme unverzüglich aufzubrechen. Nachdem ich nicht wollte, dass sie in Panik geriete, willigte ich ein und wir verließen das Ufer.
Ich wäre ja gerne geblieben, um zu sehen, was weiter geschehen würde.


Als wir gute zwanzig Schritte gegangen waren um in den Waldweg in Richtung Haus einzubiegen, drehten wir uns um und sahen, dass der Nebel uns folgte und nach weiteren fünfzig Metern war das Bild ein ähnliches: der Nebel folgte uns auf dem Waldweg. Nirgendwo sonst war Nebel zu sehen. Ich beruhigte meine Begleiterin wiederum und drehte mich zum Nebel, sagte Dank und bat ihn liebevoll aber bestimmt hier bei seinem See zu bleiben, weil er nicht dorthin mitkommen könne, wo wir hingingen. Ich versprach aber wiederzukommen. Einen Atemzug später löste sich der Nebel auf und verschwand zwischen den Bäumen.


Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob wir auf dem Rest des Weges zum Haus miteinander gesprochen haben...ich glaube nicht.


Aber eines ist sicher: es war ein wundersames, aufwühlendes und tief berührendes Erlebnis, das wir beide nie vergessen werden.


Jetzt, wo ich es niederschreibe ist es so lebendig wie ehedem.


Ich grüße Dich in aller Liebe und Dankbarkeit, Lord of Hundred Acres Pond!